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Störungen beim Instrumentalspiel - ein alltägliches Problem bei Bläsern
Dr. med. dent. Joachim E. Lahme, A-6850 Dornbirn
80 % aller Musiker erleben immer wieder Ansatzprobleme, Leistungsabfall oder Spielunfähigkeiten verschiedenen Ursprungs. Instrumentalansatz, Instrumentenhaltung, Körperhaltung, Atmung und vieles mehr sind die beteiligten Strukturen oder Organe welche ursächlich oder in Folge beteiligt sein können - dies bei allen Instrumentalisten aber vor allem bei Bläsern.
Der Ort des Problems - sei es der Lippenansatz, die Hand oder die Schulter - ist meist nicht der Ort der Ursache. Dieser liegt oft in anderen Strukturen, die die Probleme oder Schmerzen hier hinein projizieren.
1. Mund - Ansatz - Kauorgan
Jeder Ansatz eines Blasinstrumentes bedeutet im eigentlichen Sinn "eine Störung der natürlichen Funktionen". Durch intensives Üben der Koordination aller beteiligten Strukturen kann der Einklang dieser Gewebe erzielt werden. Im Idealfall bedeutet dies ein unbeschwertes, lockeres, leichtes Musizieren.
Äußere Einflüsse neben individuellen anatomischen Gegebenheiten können dieses Zusammenspiel stören: Lampenfieber, Stress, Überforderung, seelische Belastungen sind da hauptsächlich zu nennen. Warum nicht zunächst der Ansatz selbst - das heißt der Lippenschluß und dessen Sensibilität, die Funktionalität der Zunge oder der Wangenmuskulatur?
Wir sind heute alle erheblich größeren Anforderungen als noch vor 20 Jahren ausgesetzt. Diese hohen Anforderungen machen sich immer mehr in zu hohen Belastungen oder Überbelastungen bemerkbar. Diese Überbelastungen auszugleichen oder abzufangen bedienen wir uns unseres Kauorgans mit den Zähnen, die wir "zusammenbeißen", mit welchen wir uns "durchbeißen" um etwas zu erreichen, mit denen wir etwas "zähneknirschend hinnehmen" wenn wir etwas nicht erreichen.
Jeder Nicht - Bläser kann somit über die Zähne in erheblichem Maße Stress abbauen. Der Bläser jedoch kann dies nicht, da er sein "Streßorgan" zum Spielorgan umtrainiert hat - er muß seinen Streß anderweitig abbauen und die Verspannungen tauchen dann irgendwo im Körper auf. Eine Fülle von oft sehr verschiedenen Symptomen konnten wir im Laufe der Jahre sammeln, die für den Musiker selbst meist nicht im Zusammenhang mit seinem Intrumentalspiel stehen und für ihn deswegen nicht erkennbar sind.
Dies sind hauptsächlich:
- Antriebslosigkeit, kraftlos, Energielos, ständig müde.
- Nervosität, Merkfähigkeit reduziert, Konzentrationsschwäche.
- Unruhe, Labilität, starke Wetterfühligkeit.
- Halbseitiger Kopfschmerz, Migräne, Spannungskopfschmerz, als ob Stecken quer durch den Kopf geht.
- Schlaflosigkeit, Schlaf schlecht oder gestört, regelmäßiges Aufwachen zu bestimmten Zeiten.
- Auge: Sehen durch Milchglas, am Rand verschwommen, Doppelbilder.
- Ohr: Tinnitus: Summen,sausen,brausen,pfeifen,klingeln,singen - oft ständig, sich beim Spiel verschlechternd. Schmerzen: ausstrahlend, stechend, ziehend, schneidend.
- Kaumuskulatur: wie Muskelkater, verspannt, druckschmerzhaft.
- Kiefergelenk: Schmerzen beim Kauen, Gähnen, Öffnen, beim Spiel. Mundöffnung eingeschränkt.
- Zunge/Mundöffnungsmuskulatur: wie Kloß im Hals/im Kehlkopf, wie gelähmt, wie Splitter.
- Kehlkopf: wie zugeschnürt, wie Stechen, wie angeschwollen.
Beginn von Spielbeschwerden:
Was wir vom Ansatz her häufig beobachten sind Änderungen im Ansatz durch eine auftretende nicht näher zu erklärende Unsicherheit: Der gewohnte Ansatz ist plötzlich nicht mehr stabil, man fühlt sich "nicht mehr zuhause", man sucht nach ihm - beispielsweise durch Änderung des Ansatzwinkels nach oben oder meist nach unten, durch Ausweichen mit dem Ansatz zu einer Seite. Als nächstes tritt meist auf dieser Seite ein Spannungsschmerz in Schulter oder Arm auf, der so lange toleriert wird, bis man ihn nicht mehr aushält. Die Zwerchfellstütze wird nicht mehr angewandt, der Ansatzdruck steigt, die Körperhaltung wird verkrampft, die Atmung preßt immer mehr bis schließlich die Lippen ihren Dienst versagen. So kann ein Weg in die Spielunfähigkeit aussehen.
2. Orthopädische Beschwerden
Wie oben erwähnt können Verspannungen oder auch Schmerzen, die ein freies Intrumentalspiel beeinträchtigen oder verhindern, jederzeit irgendwo im Körper auftreten. Unbedingt wichtig ist für den Musiker daran zu denken, daß die Ursache von Beschwerden meistens irgendwo anders liegt als dort, wo die Symptome auftreten. So gibt es auch aus dem orthopädischen Bereich eine Liste von "Grundbeschwerden", die wir im Lauf der Zeit zusammengestellt haben:
Schulter, Nacken, Hals, Oberarm, Ellbogen, Unterarm, Handgelenk, Hand, Finger:
Bewegungseinschränkung, Gelenkschmerzen,schmerzhafte Areale oder Druckpunkte, Sensibilitätsstörungen bis Taubheitsgefühl und Verlust des Gefühls. Hals-, Rücken-, Lendenwirbelsäulen-, Bandscheibenbeschwerden. Schmerzen im Hüftgelenk, Knie,Knöchel,Fuß.
In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachkollegen wie dem Orthopäden, Neurologen, dem Zahnarzt, Hals-Nasen-Ohrenarzt, dem Krankengymnast, dem Kinesiologen usw. erreichen wir mit einer korrekten Diagnostik letztendlich die Ursache der Beschwerden. Dabei kommen moderne Analysemethoden wie Bewegunsanlyse, Kernspin etc. zur Anwendung - welche z.B. keine Röntgenbelastung mehr haben.
Ist der Musiker noch jung, kann der Organismus oft die unmöglichsten Fehlhaltungen oder Fehlfunktionen ausgleichen. Mit zunehmendem Alter oder zunehmender Fehlhaltung steigt die Schwierigkeit der Diagnostik und der Therapie. Entscheidend für den Musiker ist letztendlich die ständige Kontrolle und Selbstkontrolle und die rechtzeitige und regelmäßige Gesundheitskontrolle durch den Spezialarzt.
Viele Berufsunfähigkeiten und Frührenten können damit vermieden werden.
Dr. med. dent. Joachim E. Lahme, A-6850 Dornbirn
Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Musik-Medizin SMM
Haus Tromboasis, Rumiweg 4, CH-4539 Farnern
www.musik-medizin.ch
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